Die Wildcard ist eine besondere Nominierung, die auszeichnungswürdige Werke oder Personen im Kontext des popkulturellen Spektrums unabhängig von den Kategorien und vom Bewertungszeitraum berücksichtigt. (u. a. Lebenswerk, Story, besondere Leistung)

Illustration: Eine Person spielt Bağlama
Werk
Ozan Ata Canani – Warte mein Land, warte

Ozan Ata Canani definiert den Begriff des Newcomers neu und beweist, dass es manchmal ein halbes Leben braucht, um mit der eigenen Kunst in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Canani war Teenager, als er 1978 mit „Deutsche Freunde“ die Situation türkischer Gastarbeiter:innen besang. 2021 veröffentlichte er sein Debüt Warte mein Land, warte und aktualisierte seine Sozialkritik. Mit der zum Jahrestag des Attentats von Hanau veröffentlichten Single „Vom Bosphorus bis zum Rhein“ bewies er sich erneut als Widerständler gegen nicht hinnehmbare Zustände und verdeutlichte historische Kontinuitäten.

Format
Album
Nominierter
Ozan Ata Canani
Illustration: Eine DJ steht hinter einem Turntable
Werk
Femme Bass Mafia – DJ-Mentoring für FLINTA*

Seit der Gründung der Femme Bass Mafia durch Dangermami und der folgenden Verstärkung des Teams durch LUZ1E und Marie Midori, positioniert sich das Trio gegen gleich zwei Missstände: Zum einen wird das musikalische Geschehen in der Clubszene weiterhin vom Viervierteltakt des Techno geprägt. Zum anderen wird dieser meistens immer noch von Männern aufgelegt. Durch an FLINTA* gerichtete DJ-Workshops schaffen Femme Bass Mafia einen Saferspace zum Lernen und Austauschen und ein Gegengewicht zur stark männerdominierten Szene. So legen sie auf dem Dancefloor wie hinter den Decks den Grundstein für musikalischen und gesellschaftlichen Fortschritt.

Format
Initiative
Nominierte
Femme Bass Mafia
Illustration: Eine leuchtende Person
Werk
Honey Dijon – Legacy

Honey Dijon ist die offizielle Botschafterin der House Nation. Die gebürtige Chicagoerin machte sich erst in der Wiege des House-Sounds sowie in New York City als DJ einen Namen. Mittlerweile prägt sie mit ihrer Veranstaltungsreihe Jack Your Body in der Panorama Bar des Berghain auch die Szene Berlins. Wie keine andere vermittelt Honey Dijon zwischen den Werten einer Underground-Kultur mit einer weit zurückreichenden Tradition und einem jungen Mainstream-Publikum: Neben ihrer eigenen Tätigkeit als Produzentin hat sie zuletzt einen Track für Beyoncés Album Renaissance geschrieben.

Format
Live-Act
Nominierte
Honey Dijon
Illustration: Eine Person spielt E-Gitarre
Werk
Carola Kretschmer – Lebenswerk

Carola Kretschmer prägte ein halbes Jahrhundert lang die deutsche Musikwelt, vor allem natürlich als Mitglied von Udo Lindenbergs Panikorchester. Die vom Bandleader wegen ihrer ernsten Miene neckisch „Tigerin von Eschnapur“ genannte Gitarristin war eine der ersten sichtbaren trans Frauen der Musikwelt und eine kongeniale Musikerin. Ihre verspielten und doch nie angeberischen Soli brachten zugleich Ruhe und Dramatik ins kunterbunte Bühnenchaos und zwangen selbst einen Lindenberg regelmäßig in die Knie. Kretschmer starb am 21. März dieses Jahres mit 74 Jahren. Sie wird fehlen.

Format
Live-Act
Nominierte
Carola Kretschmer
Illustration: Ein Kind das eine Hand hebt
Werk
Derya Yıldırım, Graham Mushnik – Hey Dostum, Çak! – Music for Children and Other People

Derya Yıldırım und Graham Mushnik adaptieren in der von ihnen angeführten Grup Şimşek den Sound anatolischer Folklore für die Gegenwart neu. Auf Hey Dostum, Çak! – Music for Children and Other People liefern sie Neuinterpretationen der Wiegen- und Volkslieder für Kinder, mit denen Yıldırım aufgewachsen ist. Die von ihrem Gesang und ihrem virtuosen Spiel auf der Bağlama geleiteten und von Mushnik mit Heimorgel, Drummachine und allerlei anderen Kniffen eingerahmten Stücke sind aber weder nostalgisch-verklärt noch kindisch. Sie vermitteln zwischen den Kulturen, Generationen und musikalischen Genres.

Format
Album
Nominierte
Derya Yıldırım, Graham Mushnik