Popmusik als Inspiration: Birgit Böcher

"Popmusik ist ein Raum, in dem Musik ist und vor allem ein Raum, der Emotionen einen Ausdruck gibt. Der die Möglichkeit bietet, sich Unterstützung zu holen, sich auszudrücken, sich zu freuen, zu trauern. Immer da, wo einem vielleicht die passenden Worte fehlen, oder um einen Moment zu beschreiben. Ich glaube, es gibt keine Kunstform, die so emotional beladen und besetzt ist wie Popmusik. Mit Sicherheit hat jeder Mensch ein Lied, das er mit einer bestimmten Situation verbindet. Das ist das, was Popmusik bietet und ermöglicht. Abgesehen davon, dass es meistens gutes Entertainment ist."

Interview mit

Birgit Böcher

Images von

Selfie von Birgit Böcher
Nick Cave: Photo: Edd Westmacott/Alamy Stock Foto

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Magazin 02 / 2024

online veröffentlicht

01 Juni 2025

 Dein All-time-Lieblingssong, wenn du dich entscheiden müsstest?

Es gibt Songs, die mich mein Leben lang begleiten, aber sie gehören immer zu einer bestimmten Zeit oder zu einer bestimmten Situation. Dass ich sagen kann, es
gibt das eine Lied, no way.

Welche:r Popmusiker:in hat dich am meisten geprägt?

Mich für eine:n zu entscheiden, fällt mir schwer. Aber es gibt ein Popmusik- Phänomen, das mich in die Musikbranche geführt hat und zwar – ja, ich gebe es zu – Take That. Ich war in den 1990er Jahren in meinen Zwanzigern, Boygroups zu hören, war uncool, was für Teenager. Für mich war das so eine Art guilty pleasure. Bei einem privaten Fernsehsender habe ich damals Karten für ein Konzert in München gewonnen, bin mit meinem besten Freund hin und es hat mich
so begeistert, dass ich noch am selben Abend auf der CD geguckt habe, wo das erschienen ist. Am nächsten Tag habe ich mich bei der Plattenfirma beworben und zwei Wochen später dort gearbeitet. Ich mache das so lange, bis ich Robbie Williams persönlich kennengelernt habe, habe ich mir gesagt. Leider hat er Take That dann nach drei Monaten verlassen. Ich bin heute noch in der Branche.

Wenn dein Leben einen Soundtrack hätte: Wie würde er klingen und von wem wäre er?

 

Dabei wäre schöner Indierock aus den 1980er Jahren wie Pixies. Nick Cave wäre dabei und Dolly Parton. Drum 'n' Bass und Klassik wären dabei, natärlich sowas wie Mozart, Mendelssohn oder Bach. Die Hymne von Eintracht Frankfurt. Eine bunte Mischung. Nicht dabei wären Techno House und Heavy Metal.

 

Ein:e Popmusiker:in, die:den du gerade feierst?

Ich feiere lieber Leute, die mit Traditionen brechen und Grenzen öffnen. Die Sachen machen, die vielleicht nicht ihrem Alter entsprechen. Oder die es schaffen, Menschen eine tolle Zeit zu geben. Jemanden wie Marianne Rosenberg feiere ich. Sie thematisiert ihr Alter, lässt sich nicht den Mund verbieten, redet über ihre Erfahrungen. Ich feiere Leute wie Sonja, die mit über 50 in der Popmusik durchstarten will, und wie Herbert Grönemeyer, der sich auf dem CSD für die Sichtbarkeit von queeren Menschen einsetzt. Ich feiere Leute wie Roland Kaiser oder Peter Maffay, die Stadien füllen und so vielen Leuten so viel geben. Auch jemanden wie Finch, der keine Scheuklappen oder Berührungsängste hat. Und ich feiere all die Autor:innen, die hinter den Songs stehen, die alle singen und die Menschen so viel bedeuten. Das feiere ich.